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Entwicklungstendenzen im Sport

Seit vielen Jahren beobachtet und erforscht Univ.Prof. Dr. Otmar Weiss, der Leiter des Institutes für Spot-Soziologie an der Uni Wien, die Hintergründe des Sporttreibens in Österreich. Er ist Herausgeber zahlreicher Publikationen und Studien rund um den Sport. Im Zuge einer Textserie für die ASKÖ-Zeitschrift „move“ beschäftigte er sich mit „Entwicklungstendenzen im Sport“, die für die Zukunft bestimmend sein werden.

Hier die wichtigsten Aussagen zusammengefasst:

Motive und Organisation für die Sportausübung

95% der sportaktiven Österreicher betreiben Breiten- und Freizeitsport, 5% Leistungs- und Wettkampfsport. Die Motive Freude an der Bewegung und Gesundheit und Fitness dominieren bei allen Sportbetreibenden und kommen bei Vereinssportlern am stärksten zum Tragen. Letztere gaben ihrem Interesse an Entspannung und Stressabbau, der Erhaltung der Leistungsfähigkeit bis ins hohe Alter und des Erlebnisses in freier Natur zu sein auch an, dass sie wegen der Selbstüberwindung für eine starke körperliche Leistung und um sich mit anderen im Wettkampf zu messen Sport betreiben. Dem liegt eine partiell asketische Haltung zugrunde.


Differenzen zwischen Mann und Frau

In den meisten Motiven unterscheiden sich die Geschlechter wenig voneinander. Wesentliche Differenzen zeigen sich darin, dass Frauen mehr Wert auf einen schönen Körper legen und Männer dafür mehr an Wettkämpfen und an der Selbstüberwindung für eine starke körperliche Leistung interessiert sind. Die Motivstruktur der Frauen (ästhetische, erlebnis- und gefühlsbetonte Ausrichtung) entspricht dem neuen Typus des Nichtvereinssportlers, der lieber selbst organisiert oder bei einem Privatanbieter Sport betreibt.


Organisation der Sportausübung

Der weitaus größte Teil der sportaktiven Österreicher organisiert seine sportlichen Aktivitäten selbst. Während doppelt so viele Frauen wie Männer ihre sportlichen Aktivitäten bei privaten Sportanbietern organisieren, ist der Vereinssport eine männliche Domäne.


Größe des Wohnortes

Mit der Größe des Wohnortes steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein privater Sportanbieter aufgesucht wird. In Wien kommen auf vier Sportvereinsmitglieder bereits drei Personen, die bei privaten Anbietern trainieren. In kleineren Orten, wo es kaum kommerzielle Sportanbieter gibt, dominiert natürlich noch der Vereinssport, der dort auch der regionalen Identitätssicherung dient.


Aktuelle Trends bei der Sportausübung

In den letzten Jahren ist nicht nur das Spektrum der ausgeübten Sportarten breiter geworden, sondern ist auch innerhalb einzelner Sportarten zu einer Ausdifferenzierung gekommen (z. B. Skilauf in Snowboarden, Carven etc.). Die gesellschaftliche Entwicklungstendenz in Richtung Individualisierung spiegelt sich in der Zunahme von Individualsportarten wider (Golf, Radfahren, Tennis etc.).


Individualsportarten im Blickpunkt

Neue Technologien, wissenschaftliche Erkenntnisse und von der Industrie geförderte Sportarten wie Snowboard, Mountainbike, Golf, Tennis, Inlineskaten, Squash usw. prägen das Bild des Sports in Österreich. Im Blickpunkt kommerziellen Interesses stehen vor allem Individualsportarten, die als Modetrend oft nur zeitlich begrenzte Popularität besitzen und deren Ausübung an die Anschaffung kostspieliger Ausrüstung, Kleidung und Accessoires gebunden ist.


Trend zum unverbindlichen Sport

Der Trend vom großen Mannschafts- zum kleinen Gruppensport weist auf die Verringerung der Spielerzahlen in neuen Sportarten hin (Beachvolleyball, Beachhandball, Streetsoccer, Streetball, Inline-Hockey). Ferner zeigt die Entwicklung der Sportlandschaft einen Trend vom verbindlichen zum unverbindlichen Sport. Mittlerweile sind Fitnesscenter und Sportstudios als Alternative oder Ergänzung zu den Sportvereinen etabliert. Sie decken den Wunsch nach freier Gestaltung der Trainingszeiten und Unverbindlichkeit sozialer Kontakte ab.

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Kommerzielle Anbieter

Dem entspricht auch, dass Dienstleistung- und Serviceideale an die Stelle ehrenamtlicher Arbeit getreten sind. Vor allem werden die bessere Infrastruktur sowie die Differenz zum Milieu des Sportvereins verwertet. Komfort und Luxus werden stilisiert, moderne und variantenreiche Geräte kommen zum Einsatz. Kommerzielle Sportanbieter werben mit flexiblen Öffnungszeiten, anspruchsvoller Ausstattung, professionellem Management usw.


Aufwertung des Gesundheitsmotivs

Sport bietet eine ideale Möglichkeit für Körpererfahrung und –wahrnehmung. Die Aufwertung des Körpers führte u. a. zu einer Aufwertung des Gesundheitsmotivs. Die Sorge um die Gesundheit diktiert das Freizeitleben und wird ausschlaggebend für den Erholungswert, weshalb der Sport eine wachsende Nachfrage erfährt und zunehmend in Verbindung mit Gesundheit (körperliches, geistiges und soziales Wohlbefinden). Hedonismus (Unterhaltung, Genuss-Sucht) oder Spannungs- und Affektsuche auftritt.


Image der Sportvereine

Die Sportvereine haben bei der heimischen Bevölkerung generell ein gutes Image. Die Österreicher finden die Sportvereine sympathisch und haben das Gefühl, dass dort gerne neue Mitglieder aufgenommen werden, Nachwuchsarbeit geleistet wird und die Mitgliedsgebühren angemessen sind. Die Sportvereine gelten als sehr gesellig und gemeinschaftlich, und man glaubt, dass sie sich vornehmlich um Leistungs- und Wettkampfsport kümmern, obwohl in der Angebotsstruktur der Sportvereine Breiten- und Freizeitsport dominieren.


Geringe Anerkennung

Weniger Anerkennung finden die Professionalität und das Bemühen der Sportvereinsfunktionäre um die Mitglieder. 4% der Österreicher (ca. 300.000 Personen) und 6% der jungen Altersgruppen (ca. 100.000 Personen im Alter von 15-29 Jahren) haben negative Erfahrungen mit Sportvereinsfunktionären gemacht. Frauen bewerten die Sportvereine schlechter. Sie halten den Vereinssport für nicht zeitgemäß und kritisieren auch die Bereiche Organisation und Management stärker.


Ups and Downs bei den Vereinsgründungen

Auffallend ist die Häufung von Sportvereinsgründungen in den Jahren 1945-1954 (ca. ein Viertel aller befragten Sportvereine wurden in diesem Zeitraum gegründet). Zu einer deutlichen Abnahme der Gründungsaktivitäten kam es in den 1980er-Jahren und auch Anfang der 1990er-Jahre. Seit 1994 ist die Tendenz jedoch wieder steigend.


Burgenland ist top

Mehr als die Hälfte der Sportvereine finden sich in Landgemeinden, ein Viertel in Klein- oder Mittelstädten und ein Fünftel in Landeshauptstädten. Im Schnitt kommen in Österreich auf 10.000 Einwohner 14 Sportvereine; die Zahl der Sportvereine variiert jedoch deutlich in Abhängigkeit vom Bundesland. In Relation zur Einwohnerzahl verfügt das Burgenland mit Abstand über die meisten Sportvereine, Wien über die wenigsten.


Mitgliederstruktur

Etwa die Hälfte der Sportvereine hat weniger als 200 Mitglieder, der Schnitt liegt jedoch auf Grund sehr großer Sportvereine (4% der Sportvereine haben über 1.000 Mitglieder) bei 290 Mitgliedschaften pro Sportverein. In den letzten drei Jahren sind die Mitgliederzahlen in 29% der Sportvereine gestiegen, demgegenüber stehen nur 9% der Sportvereine, die in dem angegebenen Zeitraum einen Rückgang an Mitgliedschaften zu verzeichnen hatten.

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Sportvereine

In 16% der Sportvereine konzentriert sich das Interesse vornehmlich auf den Bereich des Leistungs- und Wettkampfsports, bei 40% steht der Bereich Breiten- und Freizeitsport im Vordergrund und 44% bieten sowohl Leistungs- als auch Breitensport an. 40% aller Sportvereine sind Einspartensportvereine, genauso viele haben bis zu fünf Sportarten in ihrem Programm, und 20% bieten mehr als fünf Sportarten an. Fragt man nach den Sportarten, die am häufigsten in Sportvereinen betrieben werden, so stehen Fußball und Tennis eindeutig an der Spitze.

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