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1967 - 1992 Vom Arbeiterbund zur Arbeitsgemeinschaft

Ein Ziel war erreicht, Arbeiter als gleichberechtigt in der Gesellschaft akzeptiert.

Die Ziele im Sport jedoch blieben, soziale Aspekte standen im Vordergrund. 1967 feierte der ASKÖ das 75-jährige Bestehen der Arbeitersportbewegung in Österreich. Die Funktionärs-Generation, die den Verband seit der Zwischenkriegszeit geprägt hatte, trat ab. Ein neues Sportförderungsgesetz wurde verabschiedet, 1969 die Bundes-Sportorganisation (BSO) mitgegründet.

1971 – Der „Arbeiterbund“ wurde zur „Arbeitsgemeinschaft für Sport und Körperkultur Österreich“ umbenannt. Begründet wurde dies mit dem neuen sozialen Selbstverständnis – vom Proletarier zum Angestellten könnte die Kurzform lauten.

Die Distanz zum Leistungssport war ebenfalls überwunden. Prägende Persönlichkeiten waren die Präsidenten Kurt Heller und Franz Löschnak.

Bekannt waren in der ASKÖ die alle fünf Jahre abgehaltenen „Bundesfeste“ - bis zum 100 Jahr Jubiläum 1992. Die Zahl der ASKÖ Mitgliedsvereine zeigte einen steten Aufwärtstrend.

Arbeitszeitverkürzung, steigende Lebenserwartung oder das Gesundheitsbewusstsein wirkten in den Sport hinein. Dem Rechnung tragend wurde 1985 ein hauptberufliches Referat für Fitness und Gesundheitsförderung gegründet und damit ein neuer Schwerpunkt geschaffen. Erfolge im Spitzensport wurden gefeiert, standen jedoch nicht mehr allein im Mittelpunkt.

Die Feiern zum Nationalfeiertag: aus durchaus kritischer Sicht

Gustav Spann, Zur Geschichte des österreichischen Nationalfeiertages

Quelle: Beiträge zur historischen Sozialkunde. Nr. 1/96. 26. Jg. S. 27 - 34.

In der Zeit der Alleinregierung der ÖVP unter Josef Klaus, in deren Regierungszeit der Nationalfeiertag in seiner heutigen Form beschlossen worden war, wurden zunächst die alten Abläufe nach dem Vorbild des früheren Tages der Fahne weitgehend übernommen.
Nach wie vor waren also die Bundesregierung, Landesregierungen, Gemeinden und andere offizielle Organe die Hauptträger des Feierns, die breiten Massen, deren zu geringe Teilnahme immer wieder kritisiert worden war, waren auf die Zuschauerrolle beschränkt. Sie waren primär Adressaten von Ansprachen und Appellen, spontane und kreative Teilnahme wurde nicht gefördert.
Wesentliche Änderungen in der Art des Feierns bahnten sich mit der Regierungsübernahme durch die SPÖ unter Bruno Kreisky an. Bereits am Nationalfeiertag 1970, unter der Minderheitsregierung Kreisky I, wurden die Festsitzung des Nationalrates und die bisher in Form einer Großveranstaltung abgehaltene "Feier der Jugend" nicht mehr durchgeführt. Statt dessen wurde ein "festlicher Ministerrat" abgehalten. Ins Zentrum der öffentlichen Feiern rückten die Kranzniederlegungen in der Krypta des österreichischen Heldendenkmals beim äußeren Burgtor in Wien. Am Nachmittag fand im Bundeskanzleramt eine Diskussion zum Thema "Was soll aus Österreich werden?" statt, die auch vom ORF übertragen wurde. Damit war schon in Konturen vorgegeben, wie die sozialistische Regierung künftig den Nationalfeiertag gestalten wollte. Die würdevoll-pathetischen Großveranstaltungen mit dem Schwerpunkt auf dem Gedenken, auf historische Reminiszenz und Besinnung sollten nach dem Willen von Bundeskanzler Kreisky von Veranstaltungen, die den Zukunftsaspekt in das Zentrum der inhaltlichen Gestaltung stellten, abgelöst werden:
"Die Zeit, in der wir leben, bedarf weniger des emotionellen Pathos, sondern einer Verbindung von Idealismus und Nüchternheit. Wir haben den Fragen Antwort zu geben, wie Österreich im wirtschaftlichen Wettstreit der Völker erfolgreich bestehen kann, wie es seinen Beitrag zur kulturellen Entwicklung dieses Kontinents am besten zu leisten vermag, wie es seinen Menschen eine gesicherte Zukunft bereiten kann und in welcher Weise es mitwirken kann, an der Erhaltung des Friedens in der Welt."
(Wiener Zeitung, 28. Oktober 1971)
Nach seinen Vorstellungen sollte am Nationalfeiertag künftig "eine Vielfalt von Veranstaltungen, die den pluralistischen Charakter der Demokratie manifestieren sollen," stattfinden, "aber kein politisch-patriotisches Happening." Kreisky sprach sich auch "nachdrücklich gegen Bundesheerfeiern aus, wo vor angetretenen Soldaten patriotische Reden geschwungen werden."
Als neues Element im Sinne eines Rückzuges der Politiker und Honoratioren wurde die Durchführung wissenschaftlicher Veranstaltungen anläßlich des Nationalfeiertages eingeführt. 1972 wurde ein Symposion "Zukunft von Wissenschaft und Forschung" veranstaltet, an dem 200 im In- und Ausland wirkende Wissenschaftler teilnahmen. Eine Historikertagung befaßte sich mit Problemen der Zwischenkriegszeit.
Den wohl deutlichsten Bruch mit den alten Ritualen bedeutete jedoch 1971 die Heraushebung der bis dahin immer nur begleitend durchgeführten sportlichen Veranstaltungen. Am Nationalfeiertag 1971 rief Bundespräsident Jonas über eine Rundfunkansprache zur Teilnahme an dem von der Bundes-Sportorganisation veranstalteten Fit-Lauf und Fit-Marsch auf und übernahm auch den Ehrenschutz für diese Veranstaltung (Wiener Zeitung, 24. Oktober 1971; vgl. auch Potocnik, 1989/90). Der gewaltige Zuspruch, den diese Veranstaltung in kurzer Zeit erhalten sollte, veränderte den Charakter der Feiern zum Nationalfeiertag grundlegend. Die massenhafte Beteiligung der Bevölkerung bedeutete eine Mobilisierung von Menschen, die offenbar von den bisher gewohnten Abläufen der Feiern nicht zur Teilnahme zu motivieren gewesen waren.
Dennoch waren die medialen, aber auch die politischen Reaktionen, vor allem seitens der konservativen Opposition, überwiegend ablehnend bis distanziert. Kritische Kommentare waren übertitelt mit "Staat ohne Geschichte" (Südost-Tagespost, 26. Oktober 1971) oder "Tag ohne Herz" (Kleine Zeitung, 25. Oktober 1971).
Doch den Kritikern fiel letztlich wenig an Alternativen ein, außer dem Rückgriff auf einzelne Elemente der alten Veranstaltungskalender und dem Ruf nach neuerlichem verstärkten Engagement von Staat und Regierung bzw. Gründung von neuen Institutionen, wie die eines "Nationalkomitees", dem "alljährlich die kritische Analyse der Aktivitäten des vorangegangenen Nationalfeiertags und die Vorbereitung des kommenden obliegen" sollte (vgl. Die Republik, 1/1974, 2/1974, 1/1978, 3/1980). Im dreißigsten Jahr nach seiner Gründung haben die mokanten Bemerkungen über die Fit-Märsche zwar nicht aufgehört, sie werden aber nicht mehr als ausschließlich den Nationalfeiertag charakterisierend und bestimmend wahrgenommen. Daß die alten Gegensätze um die Gestaltung des Nationalfeiertages noch längst nicht überwunden sind, bewies die 1995 geführte Debatte zwischen ÖVP und SPÖ über die Art und den Umfang einer Teilnahme des Bundesheeres an den Feierlichkeiten nach Jahren der Absenz.

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Die Bundesfeste - im Zeichen der Zeit

Parallel zu den im ASKÖ geführten Diskussionen über das Verhältnis zum Wettkampf- und Leistungssport gewannen die sportlichen Bewerbe von Bundesfest zu Bundesfest mehr an Bedeutung. Dementsprechend hatte jedes Bundesfest auch sein eigenes Motto, seinen Charakter und seine Konzeption. Auch an dieser Entwicklung lässt sich die sportideologische Ausrichtung ebenso wie die Darstellung der Arbeit des Verbandes über dir Jahrzehnte nachverfolgen.


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ASKÖ wird Arbeitsgemeinschaft

Wenn Vieles erreicht ist, wird manches vergessen – oder weniger wichtig. Vielleicht lässt sich so umschreiben was in den 60er Jahren im sozialdemokratischen Umfeld vor sich ging. Es war eine Änderung der Einstellung zum Arbeitersport eingetreten. Sowohl innerhalb des ASKÖ als auch in der Gesellschaft.

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